Warte bis es dunkel ist (Projektbericht)

Projekt der Theater AG (Klassen 7-9)

Mit den Jugendlichen wurde über den Zeitraum eines Schuljahres eine biografische Eigenproduktion erabeitet.

Wir leben in einer Welt, deren Werte-, Wirtschafts,- und Sozialisationskoordinaten sich schneller verändern als ein Schwein blinzelt.

Jugendliche sind die Gestalter unserer Gesellschaft von morgen.

Die Gruppe der Jugendlichen im heutigen Deutschland ist heterogener als sie es jemals war: Verschiedenste Sozialisation, Kultur, Religion, Ethnie, Sprache, Werte.

Unabhängig davon, wie “Gutmenschen”, Liberale und Sarrazin-Anhänger oder  auch verirrteTerroristen wie Anders Breivik sich derzeit den Umgang mit der wachsenden Muliti-Kulturalität und Diversität in ihren jeweiligen Ländern vorstellen: Die heutigen deutschen Jugendlichen werden in spätestens 20 Jahren Deutschland maßgeblich gestalten. Sie werden dabei nur bedingt Rücksicht auf die Älteren nehmen. Denn das ist der Lauf der Dinge, wie er schon immer war.

Wir können versuchen, ihnen unsere Vorstellungen aufzudrücken, in der Absicht angstmachende Veränderungen aufzuhalten. Wir werden scheitern. Denn auch das liegt in der Natur der Dinge.

Oder wir können einen Versuch unternehmen, in die Zukunft zu schauen. Indem wir ihnen zuhören. Indem wir ihnen eine Bühne geben und eine Sprache, die möglichst viele verstehen können.

Theater kann so eine Sprache sein und somit eine Brücke über die verschiedenen Gräben niemals endenender Debatten darüber, wie unsere Welt sein sollte.

In der zukünftigen Jugendtheaterarbeit am Heimathafen soll den Jugendlichen professionelles Theaterhandwerk vermittelt und ihren Themen und Haltungen  nachgespürt werden. Ziel dieser Jugendarbeit sollen Theaterproduktionen sein, die von politischer Relevanz sind und uns einen – auch unterhaltsamen!- Spiegel vorhalten.

Maike Plath wird mit Jugendlichen der Alfred Nobel Sekundarschule über den Zeitraum eines Schuljahres eine biografische Eigenproduktion erabeiten. Die Jugendlichen werden sich dabei mit der Fantasiegestalt des Vampirs beschäftigen, sich auf der Grundlage bestehender Vampirmythen in Literatur und Medien eine eigene,  neue Vampirfigur erarbeiten und dabei in die Rolle eines Außenseiters mit besonderen Fähigkeiten und Kräften schlüpfen. In der Auseinandersetzung mit der äußerst vielfältigen Literatur – und Filmgeschichte über das Wesen des Vampirs werden sie sich eine eigene Parallelidentität erschaffen, aus der heraus sie wahre Gedanken und Perspektiven auf unsere heutige Welt entwickeln werden. Die uneingeschränkte Fantasie bei der Erschaffung einer individuellen Vampir-Figur dient als Folie für eigene Erkenntnisse und Meinungen zu unserer heutigen Gesellschaft.

In fünf großen Arbeitsphasen wird eine biografische Jugendtheaterproduktion entwickelt, die nach 10 Monaten im Heimathafen öffentlich präsentiert werden wird.

Der Arbeitsprozess wird sich gliedern in

  1. Aufbau der Gruppe: Vertrauensbildung und Identifikation
  2. Körperarbeit und Präsenz auf der Bühne; Koordinaten des Theaters: Zeit und Raum, Körper und Stimme
  3. Generierung von biografischem Material
  4. Auseinandersetzung mit Vampir-Literatur und Film-Material ; Entwickeln einer individuellen Vampir-Figur; Arbeit an der eigenen Rolle
  5. Vermittlung der ästhetischen Mittel des Theaters und Finden einer eigenen Kunstsprache auf der Bühne: Jugendliche finden eine eigene theatrale Form für ihre Inhalte; Entwickeln eines Inszenierungskonzepts und Probenarbeit

Ergebnis wird eine politisch-relevante, komische und traurige Theater-Collage sein, die sowohl mit Mitteln des Trash aus Film und Medien, als auch Elementen des postdramatischen Theaters, dem Publikum eine unterhaltsame und horizonterweiternde Sicht auf unsere Gesellschaft im heutigen Deutschland eröffnen wird. Dabei dient die Gestalt des Vampirs als mythologische Figur der Moderne, die die Ängste und Wünsche der gegenwärtigen Zeit in sich vereint, als Gedankengrundlage und Ausgangspunkt für die künstlerische Auseinandersetzung mit dem derzeitigen Zustand unserer Gesellschaft.